Warum knickt mein vorderer Ellbogen nach dem Impact ein (Chicken Wing)?
Was der Chicken Wing ist und warum er entsteht
Der Chicken Wing bezeichnet den Moment kurz nach dem Impact, in dem der vordere Ellbogen (der linke beim Rechtshänder) einknickt und sich nach oben zeigend vom Körper wegbewegt – wie der Flügel eines Huhns. Statt sich zum Ziel zu strecken, falten sich die Arme zusammen.
Fast nie liegt das Problem am Arm selbst – es ist eine Folgeerscheinung. Wenn der Körper zu früh aufhört zu drehen oder das Gewicht zurückbleibt, kommt der Schläger "zu spät", und die Arme müssen kollabieren, um ihn durchzulassen, ohne in den Boden zu stechen. Ben Hogan beschreibt es andersherum: In seinem idealen Impact bilden der vordere Arm und der Schläger eine feste Linie, die sich zum Ziel streckt – kein Scharnier, das bricht.
Eine sehr häufige Ursache hinter dem Chicken Wing ist die Early Extension. Laut TPI (Titleist Performance Institute) ist die Early Extension – wenn sich das Becken im Downswing zum Ball hin bewegt – eines der häufigsten Muster bei Amateuren und tritt bei über 60 % der analysierten Golfer auf. Weil der Platz für die Arme verloren geht, bleibt diesen nichts anderes übrig, als nach dem Impact einzuknicken.
So erkennst du, ob es dich betrifft (und was du messen solltest)
Der Chicken Wing lebt in der Finish-Phase, direkt nach dem Impact. Mit bloßem Auge ist er in Echtzeit kaum zu sehen, weil er in Sekundenbruchteilen passiert. Im Video von vorne ("Face-on") springt er ins Auge: Schau dir deinen vorderen Ellbogen einen halben Meter nach dem Ball an. Zeigt er mit gebeugtem Arm zum Himmel, hast du ihn.
Birdia analysiert deine vier Swing-Phasen aus dem Handyvideo und markiert genau die Extension nach dem Impact – so siehst du, ob der vordere Arm kollabiert oder sich zum Ziel streckt, ohne raten zu müssen. Das verrät dir, ob du das Symptom oder die Ursache angehst (Early Extension, Gewicht hinten, Verzögerung).
Achtung: Wenn du beim Versuch zu strecken Schmerzen im Ellbogen oder Handgelenk spürst, hör auf und wende dich an einen Physio oder Arzt. Hier geht es um Technik, nicht um Verletzungen.
So korrigierst du ihn
Der Schlüssel ist nicht, den Ellbogen mit Gewalt zu strecken, sondern das zu beheben, was ihn zum Einknicken zwingt:
- Dreh die Brust nach dem Ball weiter. David Leadbetter betont, dass das Release eine Streckung beider Arme kombiniert mit der Körperrotation zum Finish ist. Stoppt die Brust, brechen die Arme.
- Strecke beide Arme direkt nach dem Impact. Denk daran, den Schlägerkopf kurz nach dem Treffen mit langem vorderem Arm zum Ziel zu "schieben". Hogan sprach davon, dass das Gefühl von maximaler Geschwindigkeit und Streckung nach dem Ball entsteht, nicht am Ball selbst.
- Bewahre den Platz. Wenn die Ursache Early Extension ist, arbeite daran, die Wirbelsäulenneigung und den Raum vor den Hüften im Downswing zu erhalten. Hol den Platz zurück, und der Arm muss nicht mehr einknicken.
- Nicht abbremsen (Deceleration). Ein Swing, der zu früh abbremst, drängt den Arm zum Kollaps. Ein gleichmäßiges Tempo bis zum Finish hilft.
Ein nützliches Drill: Schaumstoffball oder Handtuch unter der vorderen Achsel bei halben Swings, mit dem Ziel, dass der Arm lang zum Ziel herauskommt, ohne abrupt abzuheben. Nimm dich auf und vergleiche.
Fuentes
- Ben Hogan — Five Lessons.
- David Leadbetter — The Golf Swing.
- TPI (Titleist Performance Institute).
Häufig gestellte Fragen
Verursacht der Chicken Wing meinen Slice?
Ja, sehr oft. Wenn sich der vordere Arm beugt statt streckt, bleibt die Schlägerfläche im Impact tendenziell offen relativ zum Path, und laut den Ballfluggesetzen von TrackMan erzeugt eine relativ zur Bahn offene Fläche einen Links-nach-rechts-Effekt (Slice beim Rechtshänder). Nicht immer, aber eine häufige Kombination, weil beide aus einem schlechten Release entstehen.
Ist das nur ein Problem schwacher Arme?
Nein. Fast nie ist es eine Frage der Kraft – es geht um Sequenz und Platz. Der Ellbogen knickt ein, weil der Körper abbremst oder sich dem Ball nähert (Early Extension) und die Arme kollabieren müssen, um den Schläger durchzulassen. Den Arm zu stärken bringt nichts, wenn der Körper weiter den Platz nimmt; man muss die Ursache angehen, nicht das Symptom.
Wie sehe ich ohne Trainer, ob ich einen Chicken Wing habe?
Nimm dich im Video von vorne (Face-on) auf und schau dir deinen vorderen Ellbogen einen halben Meter nach dem Impact an: Zeigt er mit gebeugtem Arm zum Himmel, hast du ihn. Birdia macht diese Analyse automatisch aus dem Handyvideo und markiert die Extension nach dem Impact innerhalb der Finish-Phase, damit du weißt, ob sich der Arm streckt oder kollabiert.
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